Diese externe Seite ist im Präsentationsmodus nicht verfügbar.

Seite lädt
Nach oben
Menü
1908

Die Gründerjahre

Der junge Max Brose, dessen Eltern ein Karosseriebau-Unternehmen in Wuppertal führten, beobachtete, wie die Motorisierung das Fuhrwerk und die Kutsche in atemberaubendem Tempo verdrängte. Überzeugt von der Zukunftsfähigkeit des Automobils, eröffnete der junge Kaufmann 1908 im Alter von 24 Jahren in Berlin ein Handelsgeschäft für Automobilausrüstung, das er bis zum Ersten Weltkrieg betrieb.

Bereits 1919 gründete er in Coburg mit seinem Partner Ernst Jühling, den er am Kriegsende zufällig traf, das Metallwerk Max Brose & Co. und weitete seine unternehmerische Tätigkeit auch auf die Herstellung von Automobilteilen aus.

Brose Historie 1908 Juehling Brose 2014
1914

Marken-Erzeugnisse

Der Hauptkatalog der Firma Max Brose wurde von Jahr zu Jahr umfangreicher und umfasste 1914/15 stattliche 149 Seiten. Angeboten wurden neben Automobil-Zubehör auch Motorrad- und Motorboot-Material. Kurze Zeit später wurden Zündkerzen, Scheinwerfer und Werkzeuge als eigene Erzeugnisse unter den Markennamen „Atlas“ und „Mabro“ vertrieben.

Alles im Programm
Das Sortiment für den modernen Automobilisten war in den 20er Jahren breit gefächert: Es umfasste unter anderem Windschutzscheiben, Hupen, Spiegel, Tachometer, Kanister und Stoßdämpfer sowie „Bekleidungsstücke aller Art“. Darunter sogar eine „Ledermaske mit Kopf- und Halsbändern“ für vierbeinige Beifahrer.

Brose Historie 1914 Ledermaske Hund 2014
1919

Grundstein gelegt

Nach dem ersten Weltkrieg beschloss Max Brose Automobilteile in Eigenfertigung herzustellen: Im Juni 1919 gründete er im oberfränkischen Coburg mit dem Chemiker Ernst Jühling, den er im ersten Weltkrieg kennen gelernt hatte, das Metallwerk Max Brose & Co.

Damit war der Grundstein gelegt für ein Unternehmen, das sich zum führenden Anbieter mechatronischer Systeme für die Automobilindustrie entwickeln sollte.

1924

Wechselvolle Zeiten

Kaum hatten Max Brose und Ernst Jühling in Coburg die Eigenfertigung von Fahrzeugteilen aufgenommen, wurde Deutschland von einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise erfasst und stand am Rande des Zusammenbruchs. Doch das Blatt wendete sich bald wieder; bereits zum Jahresende 1924 konnte der Coburger Zulieferer auf der Berliner Automobilausstellung zeigen, was er zu bieten hatte.

Vier Jahre später präsentierte das Metallwerk Max Brose & Co. auf seinem Messestand in der Alten Halle 1 erstmals Fensterkurbelapparate für Automobile, „die sich durch einfache Konstruktion und unbedingt sichere Wirkungsweise auszeichnen".

1926

Die Grundlage des Erfolgs

1926 ließ Max Brose den „Kurbelantrieb für versenkbare Fenster“ patentieren. Zwei Jahre später begann in Coburg die Serienfertigung und damit die Erfolgsgeschichte eines Erzeugnisses, das bis heute aus keinem Fahrzeug mehr wegzudenken ist.

Eine „Schlingfederbremse“ war das wesentliche Innovationsmerkmal des Brose Kurbelapparates, der in den 1930er Jahren in den Markt gebracht wurde: Durch eine kleine Rundfeder in einem Stahlgehäuse war es möglich, mittels Kurbel ein Zahnsegment mit Hebelarm zu bewegen und die daran befestigte Seitentürscheibe in jeder beliebigen Position zu halten.

1929

Max Brose und der Nationalsozialismus

Die Eigentümerfamilien haben die Geschichte des Familienunternehmens und die Haltung des Firmengründers Max Brose in der NS-Zeit durch den Historiker Prof. Dr. Gregor Schöllgen untersuchen lassen und deren Ergebnisse publiziert.

Max Brose zog 1918 mit seiner Familie von Berlin nach Coburg. Den frühen Aufstieg der Nationalsozialisten in der neuen Heimatstadt verfolgte die Familie mit Abscheu.

1933

Unzuverlässiger Parteigenosse

Auf Druck des NSDAP-Oberbürgermeisters Franz Schwede trat Brose als prominentester Coburger Unternehmer Anfang Mai 1933 der NSDAP und dem nationalsozialistischen Kraftfahrer-Korps (NSKK) bei. Distanz oder gar Konfrontation hätte schwerwiegende Konsequenzen für Max Brose selbst, sein Unternehmen und seine Mitarbeiter gehabt.

Max Brose galt den Nationalsozialisten jedoch als unzuverlässiger Parteigenosse. Die Partei setzte sogar ihre Spitzel auf ihn an, die an Broses Loyalität zweifelten: „Eine gewisse Vorsicht ist angebracht“.

1934

IHK-Präsident mit kritischer Distanz

Im Mai 1933 wurde Max Brose in das Präsidium der IHK zu Coburg gewählt und Ende 1934 zu deren Präsident berufen. Mit der Übernahme des Ehrenamtes wollte er die Kammer – und damit die Coburger Unternehmen – vor dem Einfluss radikaler Nationalsozialisten schützen. Nach Aussage des damaligen IHK-Präsidenten Südthüringens Horst Schoenau übte Max Brose wiederholt Kritik an der NSDAP. In öffentlicher Sitzung äußerte er in seiner Amtszeit „Abscheu vor den Greueltaten an den Juden“.

Die spätere Ernennung zum Wehrwirtschaftsführer durch das Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt war nicht Ausdruck seiner ideologischen Nähe: Alle bayerischen IHK-Präsidenten trugen diesen Titel. Wegen seiner kritischen Haltung wurde Max Brose nach der Gründung der Gauwirtschaftskammer 1943 nicht in diese IHK-Nachfolgeorganisation übernommen.

1936

Das erste Massenprodukt

1936 beginnt die Produktion des 20-Liter-Einheitskanisters. Die Herstellungsmethode steht für ein weitgehend automatisiertes, in seiner Zeit hochmodernes Fertigungs- und Prüfungsverfahren, das eine bislang unerreichte Belastbarkeit des Behälters und der Lackierung garantiert. Um die Kunden des Metallwerks zu überzeugen, lässt man einen mit Wasser gefüllten Kanister aus dem zweiten Stock der Werkshalle auf den gepflasterten Hof fallen. Die Demonstration erzielt Wirkung – mehr als zwanzig Jahre lang gehört das Behältnis zu den bekanntesten Erzeugnissen des Metallwerks Max Brose & Co.

1938

Unternehmer mit sozialer Verantwortung

Das Metallwerk führten Brose und sein Partner Jühling mit einer klar sozialen Einstellung. 1938 wurde eine Unterstützungskasse für Mitarbeiter eingerichtet, Löhne wurden erhöht, selbst als das im Krieg verboten war.

Max Brose setzte sich persönlich für Mitarbeiter ein, die unter politischer Verfolgung litten. Gewalt lehnte er ab, ob gegen Lehrlinge oder ausländische Arbeitskräfte, die von staatlichen Stellen zugewiesen wurden.

1940

Staatlich gelenkte Wirtschaftsordnung

Metallverarbeitende Betriebe, auch das Metallwerk Max Brose & Co., mussten im Zweiten Weltkrieg Rüstungsgüter produzieren. Große Teile der Stammbelegschaft wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Praktisch allen Industriebetrieben wurden Zwangsarbeiter von staatlichen Stellen zugeteilt, um die Fertigung von Rüstungsgütern zu sichern.

Bis zu 260 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren zwischen 1940 und 1945 im Metallwerk eingesetzt. Ihre Versorgung war Zeitzeugen zufolge überdurchschnittlich. Gegen Misshandlungen schritt Max Brose persönlich ein, verwarnte die Schuldigen und verurteilte in Aushängen ihre Methoden: „Schlagen ist verboten und verächtlich.“ Das Unternehmen Brose hat im Jahr 2000 einen finanziellen Beitrag zur Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ geleistet. Die Stiftung hat im Auftrag der deutschen Wirtschaft Entschädigungen an ehemalige NS-Zwangsarbeiter gezahlt.

1945

Keine ideologische Nähe zum Nationalsozialismus

Max Broses Verhalten im Dritten Reich wurde nach Kriegsende durch drei Instanzen vor den Spruchkammern in Coburg, Bamberg und Nürnberg ausführlich untersucht. Letztinstanzlich wurde Brose als „Mitläufer“ bewertet - der geringstmöglichen Einstufung. In allen Instanzen kam wiederholt zum Ausdruck: Max Brose war kein „Naziaktivist“. Er hielt, soweit möglich, seine schützende Hand über politisch und rassisch Verfolgte.

Max Brose ist der in Ehren gehaltene Begründer der Brose Unternehmenstradition, die von den Eigentümerfamilien bis heute gepflegt wird. Max Brose stellte sich schützend vor sein Unternehmen und seine Mitarbeiter in der NS-Hochburg Coburg. Bis heute ist dieses dunkle Kapitel der Geschichte Coburgs nicht umfassend aufgearbeitet. Seine Haltung in dieser verbrecherischen Diktatur verdient eine faire und objektive Beurteilung.

1953

Einstieg in neue Geschäftsfelder

In den 50er Jahren wagte Max Brose den Einstieg in ein völlig neues Geschäftsfeld: Unter dem Namen „Brosette“ wurde eine Schreibmaschine konstruiert und auf den Markt gebracht, die im In- und Ausland weite Verbreitung fand. 1959 verkaufte Max Brose die Fertigungseinrichtungen nach Indien, um sich in den Folgejahren konsequent auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und vom Wachstum der aufstrebenden deutschen Automobilindustrie zu profitieren.

1954

Das Wirtschaftswunder

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Max Brose im Herbst 1948 wieder die Leitung des Metallwerks. Gerade rechtzeitig, denn die Währungsreform läutet den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands ein. Schon Anfang der 50er Jahre waren in der Bundesrepublik weit mehr als eine Million Pkw zugelassen. Als im August 1954 der millionste Volkswagen vom Band rollte, war klar: Dem Automobil gehört die Zukunft. Neben dem legendären „Käfer“ rüstete das Metallwerk Max Brose & Co. in den 60er Jahren u.a. Fahrzeugmodelle der Marken Auto-Union, Borgward, Mercedes, Ford, Goliath, Opel, MAN und Tempo mit Fensterhebern aus.

1955

Größter Industriebetrieb in Coburg

Das Metallwerk Max Brose & Co. war nach Kriegsende mit rund 550 Beschäftigten der größte Industriebetrieb im Wirtschaftsraum Coburg.

Neben Fensterhebern für Pkw, Lkw und Omnibusse zählten unter anderem Kurbelgriffe, Lüftungsklappen, Schwenkfenster-Beschläge, Schiebefenster-Verschlüsse, Sonnenblenden, Frostschutzscheiben und Kanister zum Sortiment. Max Brose und Ernst Jühling modernisierten und investierten in die Erweiterung der Fertigungskapazitäten – was sich schon bald auszahlte.

1963

Im Markt die Nase vorn

In den 60er Jahren gewann die deutsche Automobilindustrie wieder Aufwind; dem amerikanischen Trend folgend, stieg auch in Europa die Nachfrage nach mehr Komfort und Sicherheit: 1956 präsentierte Brose der Fachwelt den „Fensterheber mit elektrischem Antrieb“ zum Nachrüsten. 1963 startete das Unternehmen die Serienfertigung der elektrischen Fensterheber auf dem europäischen Markt.

Das BMW Coupé 3200 CS war das erste Fahrzeug, das mit diesem Produkt ausgestattet wird.

1965

Sitztechnik nach Maß

Max Brose hatte Anfang der 60er Jahre ein weiteres zukunftsträchtiges Geschäftsfeld im Blick: die Sitzverstelltechnik. Bereits 1968 nahm das Unternehmen die Produktion von Sitzbeschlägen zum Verstellen der Rückenlehne auf.

Zu den ersten Kunden zählten BMW und Mercedes. Innerhalb weniger Jahre sollte sich dieses neue Geschäftsfeld zum zweiten starken Standbein des Unternehmens entwickeln.

1968

Grundstein für Unternehmen mit Weltrang gelegt

Als Max Brose 1968 im Alter von 84 Jahren starb, hatte er in rund 60 Jahren einen Betrieb mit rund 1.000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 35 Millionen D-Mark aufgebaut. Erst unter der Führung seines Enkels Michael Stoschek begann 1971 der Aufstieg zu einem Unternehmen von Weltrang.

Als Michael Stoschek Ende 2005 den Vorsitz der Geschäftsführung nach 34 Jahren einem Familienfremden übertrug, erwirtschaftete Brose einen Umsatz von 2,2 Mrd. Euro und beschäftigte rund 8.900 Mitarbeiter an 37 Standorten in 19 Ländern.

Brose Historie 1968 Max Brose